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Methode · PKP

Existenzielle Probleme: Endlichkeit, Sinn und Todesangst

Mit 52 stirbt ein Schulfreund an einem Herzinfarkt. Seitdem liegen Sie nachts wach, rechnen nach, wie viele Jahre noch bleiben, und fragen sich, ob das, was Sie tun, die Zeit wert ist. Solche Fragen gehören zum Leben. Für manche Menschen werden sie zu einer Last, die den Alltag bestimmt.

Ralf Baumhöfer, Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der PsychotherapieStand: Oktober 2026Lesezeit ca. 4 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Existenzielle Probleme sind in der PKP nach Stavemann und Hülsner der dritte Problembereich neben Selbstwertproblemen und Frustrationsintoleranz.
  • Gemeint sind seelische Belastungen, die aus der erkannten Begrenztheit des eigenen Lebens entstehen.
  • Sie zeigen sich oft als Angst, Grübeln, Krankheitsangst oder innere Leere und selten unter ihrem eigentlichen Namen.
  • Ein zentraler Baustein der Therapie ist die Lebenszielanalyse.

Was ein existenzielles Problem ist

Jeder Mensch weiß, dass sein Leben endet. Die meisten können dieses Wissen die meiste Zeit beiseitelegen. Bei einem existenziellen Problem gelingt das nicht mehr. Der Gedanke an die eigene Endlichkeit, an Tod und Krankheit oder an ein womöglich verfehltes Leben drängt sich auf und bestimmt Gefühle und Verhalten.

Harlich H. Stavemann und Yvonne Hülsner fassen solche Belastungen in der Problemorientierten Kognitiven Psychodiagnostik als eigenen Problembereich, neben Selbstwertproblemen und Frustrationsintoleranz. Ihr Fachbuch dazu trägt den Untertitel „Umgang mit der eigenen Endlichkeit und Todesangst“. Gemeint sind Belastungen, die aus der erkannten Begrenzung des eigenen Daseins entstehen. An der Tatsache der Endlichkeit ändert keine Therapie etwas. Die Arbeit richtet sich auf die Konzepte, mit denen ein Mensch diese Tatsache bewertet.

Wann solche Fragen auftauchen

Oft gibt es einen Anlass. Ein Elternteil stirbt. Eine Freundin bekommt eine schwere Diagnose. Man selbst hat eine Herzrhythmusstörung, die sich als harmlos herausstellt, und kann trotzdem nicht vergessen, wie es sich angefühlt hat. Auch runde Geburtstage, der Auszug der Kinder oder der Ruhestand können Auslöser sein. Manchmal gibt es keinen sichtbaren Anlass, und die Fragen kommen schleichend. Wofür mache ich das alles? Was bleibt von mir?

Woran man es erkennt

Stavemann und Hülsner ordnen die Anzeichen mehreren Ebenen zu: Denken, Gefühlen, Verhalten, körperlichen Symptomen und Folgen im persönlichen, sozialen und beruflichen Leben. Im Denken zeigt sich das Problem oft als Grübeln über Krankheit, Sterben oder verpasste Möglichkeiten. Die Gefühle reichen von Angst und Panik bis zu Traurigkeit und innerer Leere. Im Verhalten fallen Vermeidung und Kontrolle auf: keine Krankenhausbesuche mehr, keine Nachrichten über Todesfälle, ständiges Abtasten des eigenen Körpers. Oder das Gegenteil, kein Arztbesuch mehr aus Angst vor dem Befund.

Körperlich kann sich das als Herzrasen, Engegefühl oder Schlafstörung zeigen. Und im Leben drumherum als Rückzug aus Freundschaften, Zweifel am Beruf, eine Unruhe, die sich auf die Partnerschaft überträgt. Diese Aufzählung ist kein Test. Sie zeigt, wie vielfältig ein Problem aussehen kann, das im Kern um dieselbe Frage kreist.

Warum existenzielle Probleme oft unerkannt bleiben

Wer zum Arzt oder in eine Praxis kommt, sagt selten: Ich habe ein Problem mit meiner Endlichkeit. Er sagt: Ich habe Herzrasen. Ich schlafe nicht. Ich habe Angst, krank zu sein. In der üblichen Diagnostik erscheint das dann als Angststörung, Krankheitsangst oder depressive Episode. Falsch ist das nicht, aber es beschreibt nur die Oberfläche. Die PKP fragt weiter. Wovor genau haben Sie Angst, wenn Sie an eine Krankheit denken? Was wäre daran das Schlimmste? Bei einem existenziellen Problem führt diese Frage meist zum Tod, zum Nicht-mehr-Sein oder zu einem Leben, das man im Rückblick für vergeudet hält.

Wie die anderen Problembereiche kann ein existenzielles Problem allein stehen oder mit anderen verbunden sein. Wer etwa glaubt, nur durch Leistung etwas wert zu sein, gerät beim Gedanken an das Lebensende leicht in eine Bilanz, die vernichtend ausfällt. Dann greifen ein Selbstwertproblem und ein existenzielles Problem ineinander.

Ein Beispiel aus der Praxis

Das folgende Beispiel ist aus mehreren Verläufen zusammengesetzt und verändert. Eine Frau Anfang sechzig kommt wegen Herzrasen und Schlafstörungen. Kardiologisch ist alles abgeklärt. Seit dem Tod ihrer älteren Schwester vor einem Jahr meidet sie Arzttermine, liest keine Todesanzeigen mehr und hat eine lange geplante Reise abgesagt, weil sie unterwegs krank werden könnte. Im Gespräch zeigt sich, dass sie keine bestimmte Krankheit fürchtet. Sie fürchtet, dass ihr Leben vorbei sein könnte, bevor sie getan hat, was sie sich immer vorgenommen hatte. Ausgerechnet diese Angst hält sie davon ab, es jetzt zu tun. An diesem Widerspruch setzt die Lebenszielplanung an.

Was in der Therapie geschieht

Stavemann und Hülsner beschreiben auch hier ein Vorgehen in acht Phasen. Nach Erstkontakt und gründlicher Exploration folgt früh die Lebenszielanalyse und Lebenszielplanung. Bei existenziellen Problemen hat sie besonderes Gewicht. Wenn die Zeit begrenzt ist, wird dringlicher, wofür man sie verwenden will. Manche merken in diesem Schritt zum ersten Mal, dass sie seit Jahren Zielen folgen, die eigentlich die Ziele anderer sind.

Danach geht es um die Konzepte, die die Belastung antreiben. Etwa: Ich darf erst leben, wenn alle Risiken ausgeschlossen sind. Oder: Ein Leben hat nur Sinn, wenn etwas Bleibendes zurückbleibt. Oder: Über den Tod nachzudenken macht alles schlimmer. Diese Konzepte prüfen wir im sokratischen Dialog auf ihre Angemessenheit. Daraus entstehen neue Konzepte, die anschließend im Alltag trainiert werden.

Den Tod gleichgültig zu finden, ist dabei kein Ziel. Es geht um die Frage, wie man mit dem Wissen um die eigene Endlichkeit so leben kann, dass dieses Wissen den Alltag nicht beherrscht. Fragen nach Sinn, Werten und Lebenszielen waren Thema mehrerer meiner Fortbildungen, auch zu existenziellen Problemen.

Was Sie vorab für sich klären können

Notieren Sie vor dem Erstgespräch zwei oder drei Situationen, in denen die Gedanken an Tod oder Sinn besonders stark waren. Was war der Anlass, was haben Sie gedacht, was haben Sie danach getan oder gelassen? Die Notizen müssen nicht vollständig sein. Sie geben uns einen Ausgangspunkt für die Arbeit.

Grenzen

Wenn Gedanken an den Tod in den Wunsch übergehen, nicht mehr leben zu wollen, ist das ein Notfall. Wenden Sie sich dann bitte sofort an die 112 oder an die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111. Körperliche Beschwerden wie Herzrasen oder Engegefühl gehören zuerst ärztlich abgeklärt, auch wenn Sie vermuten, dass die Angst dahintersteckt.

Grundlagen

Stavemann, H. H. und Hülsner, Y.: Der Blick hinter das Symptom. Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik (PKP) und abgeleitete Behandlungspläne. 2. Auflage, dgvt-Verlag 2022.

Stavemann, H. H. und Hülsner, Y.: Integrative KVT bei existenziellen Problemen. Umgang mit der eigenen Endlichkeit und Todesangst. Beltz 2019.

Erstgespräch per Video

Ca. 45 Minuten, 50 €. Danach sage ich Ihnen offen, ob eine Therapie per Video für Sie passt.

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Häufige Fragen

Ist Angst vor dem Tod eine Krankheit?

Angst vor dem eigenen Tod ist menschlich. Zum Problem wird sie, wenn sie Denken, Gefühle und Alltag dauerhaft bestimmt. Ob das bei Ihnen so ist, klären wir im Erstgespräch.

Hängen Krankheitsangst und existenzielle Probleme zusammen?

Häufig. Hinter der Angst vor einer bestimmten Krankheit kann die Angst vor dem Tod oder vor einem unerfüllten Leben stehen. Ob das so ist, zeigt erst die genaue Problemanalyse.

Geht es in der Therapie um Religion oder Philosophie?

Nicht in erster Linie. Ihre Überzeugungen werden respektiert. Wir arbeiten an den Bewertungen, die Ihre Belastung antreiben, und an der Frage, wofür Sie Ihre Zeit verwenden wollen.

Ralf Baumhöfer, Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie

Über den Autor

Ralf Baumhöfer, Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Ausgebildet am IVT Hamburg in Integrativer Kognitiver Verhaltenstherapie nach Stavemann. Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten (VfP). Mehr über mich

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Die Fallbeispiele sind aus mehreren Verläufen zusammengesetzt und verändert.

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