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Online-Therapie bei Krankheitsangst

Ein Ziehen in der Brust, und um Mitternacht sind zwölf Tabs mit Herzinfarkt-Symptomen offen. Der Befund vom Kardiologen war unauffällig, die Beruhigung hat bis Donnerstag gehalten. Um dieses Muster geht es hier.

Ralf Baumhöfer, Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der PsychotherapieStand: Oktober 2026Lesezeit ca. 5 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Krankheitsangst kreisen die Gedanken über Wochen um eine mögliche schwere Erkrankung, trotz unauffälliger Befunde.
  • Körperbeobachtung, Internetsuche und Rückversicherung halten die Angst aufrecht.
  • In der Therapie reduzieren wir diese Verhaltensweisen schrittweise und prüfen die Bewertungen dahinter.
  • Körperliche Beschwerden gehören zuerst und weiterhin ärztlich abgeklärt.

Woran man Krankheitsangst erkennt

Nicht an der Sorge selbst. Jeder macht sich einmal Gedanken über ein Muttermal, das sich verändert hat, oder über Kopfschmerzen, die länger anhalten als sonst. Bei Krankheitsangst kreisen die Gedanken über Wochen oder Monate um eine mögliche schwere Erkrankung, obwohl Untersuchungen nichts ergeben haben. Die Beruhigung nach dem Arztbesuch hält kurz, dann kommt der Zweifel zurück: Hat er wirklich alles untersucht? Was, wenn es zu früh war, um etwas zu sehen?

Fachlich spricht man heute meist von Krankheitsangststörung. Der ältere Begriff Hypochondrie klingt nach Einbildung. Das trifft es nicht. Die Angst ist echt, und sie ist oft zermürbend. Nur ihr Auslöser ist ein anderer, als man denkt.

Typische Verhaltensweisen

  • Den Körper abtasten, beobachten, Puls messen, im Spiegel prüfen.
  • Symptome im Internet suchen, oft spät abends und über Stunden.
  • Wiederholte Arztbesuche, zusätzliche Untersuchungen, ein Facharzt nach dem anderen.
  • Rückversicherung bei Partnern, Freunden, Familie: „Sieht das normal aus?“
  • Oder das Gegenteil: jeden Arzttermin meiden, aus Angst vor dem Ergebnis.
  • Bestimmte Themen meiden, keine Krankenhausserien, keine Nachrichten über Krebs.

Der Kreislauf aus Beobachten und Beruhigen

Wer seinen Körper genau beobachtet, findet immer etwas. Ein Stechen, ein Pochen, eine Stelle, die sich anders anfühlt. Das ist normal: Der Körper sendet ständig Signale, die wir sonst nicht bemerken. Die Bewertung „Das könnte etwas Ernstes sein“ steigert die Anspannung, und Anspannung erzeugt neue Körpersignale: Herzklopfen, Druck im Magen, Kribbeln. Diese neuen Signale bestätigen scheinbar die Befürchtung.

Die Rückversicherung beim Arzt, beim Partner oder im Internet beruhigt kurz. Sie lehrt den Kopf aber auch, dass man ohne sie nicht sicher wäre. Beim nächsten Signal beginnt es von vorn, und die Abstände werden kürzer.

Warum das Internet selten beruhigt

Suchergebnisse zu Symptomen sind nicht nach Wahrscheinlichkeit sortiert, sondern danach, was häufig geklickt wird. Seltene, schwere Erkrankungen tauchen deshalb weit oben auf. Wer ängstlich sucht, liest dort genau das, was er befürchtet, und überliest das, was beruhigen würde. Die Suche endet selten mit Erleichterung, eher mit einer neuen Frage.

Was wir in der Therapie tun

Den Kreislauf sichtbar machen

Wir zeichnen diesen Kreislauf an Ihren eigenen Beispielen nach, mit dem SKR-Modell. Was haben Sie bemerkt? Situation. Wie haben Sie es bewertet? Bewertung. Was haben Sie dann getan, und wie ging es Ihnen danach? Reaktion. Oft zeigt sich dabei, dass die Angst nicht vom Symptom ausgeht, sondern von dem, was der Kopf daraus macht.

Die Regeln dahinter prüfen

Danach geht es um die Überzeugungen. Etwa die, man müsse eine Krankheit sofort und vollständig ausschließen, um sicher zu sein. Oder die Annahme, ein gesunder Körper fühle sich immer gleich an. Wir prüfen, ob es hundertprozentige Gewissheit überhaupt gibt und was es Sie kostet, sie zu verlangen.

Verhalten schrittweise verändern

Schritt für Schritt reduzieren wir das Kontrollieren, Googeln und Rückversichern und beobachten, was dann geschieht. Beispielsweise vereinbaren wir, eine Woche lang keine Symptome zu suchen und stattdessen aufzuschreiben, wann der Impuls auftritt und wie stark er ist. Diese Übungen finden in Ihrem Alltag statt. Per Video besprechen wir sie, bevor Sie sie machen, und danach.

Ein Beispiel aus der Praxis

Das folgende Beispiel ist aus mehreren Verläufen zusammengesetzt und verändert. Eine Frau Anfang dreißig hat in einem Jahr sieben Ärzte aufgesucht, wegen Kopfschmerzen, Kribbeln in den Händen und einer Lymphknotenschwellung. Alle Befunde waren unauffällig. Sie misst mehrmals täglich ihren Puls und tastet morgens den Hals ab. Ihr Partner beantwortet abends ihre Fragen, inzwischen mit wachsender Ungeduld. In der Therapie beginnen wir damit, die Kontrollen zu zählen. Allein das Zählen macht ihr das Ausmaß bewusst. Später reduzieren wir sie schrittweise, und der Partner vereinbart mit ihr, auf Rückversicherungsfragen freundlich, aber ohne inhaltliche Antwort zu reagieren.

Was vorher geklärt sein muss

Körperliche Beschwerden gehören zuerst ärztlich abgeklärt. Das gilt auch, wenn Sie vermuten, dass es die Angst ist. Ich arbeite mit Ihnen an der Angst, nicht an der Diagnose Ihrer Symptome. Neue oder sich verändernde Beschwerden besprechen Sie weiter mit Ihrem Hausarzt. Sinnvoll ist oft eine Absprache mit dem Hausarzt über feste Kontrolltermine, statt bei jedem Symptom neu zu kommen.

Krankheitsangst und Partnerschaft

Krankheitsangst betrifft selten nur eine Person. Partner beantworten Fragen, schauen sich Hautstellen an, begleiten zu Arztterminen und hören die Sorgen oft mehrmals täglich. Viele tun das lange aus Liebe und Geduld. Irgendwann kippt es, in Ungeduld, Gereiztheit oder Rückzug. Der Betroffene spürt das, und die Angst bekommt eine weitere Ebene: Jetzt ist man auch noch eine Last.

Wenn beide es möchten, kann der Partner in eine Sitzung kommen. Wir besprechen dann, wie er reagieren kann, ohne die Rückversicherung fortzusetzen und ohne kalt zu wirken. Ein Satz, den manche Paare dafür vereinbaren, lautet: „Ich sehe, dass du Angst hast. Wir haben vereinbart, dass ich dazu nichts sage. Ich bin trotzdem da.“

Gesundheitsangst nach einer echten Erkrankung

Manchmal beginnt die Angst nach einer realen Erfahrung. Nach einer Krebserkrankung, nach einem Herzinfarkt in der Familie, nach einer Pandemie, in der jedes Husten eine Bedeutung bekam. Dann ist die Sorge zunächst nachvollziehbar, und die Grenze zur Krankheitsangst ist schwer zu ziehen. Hier ist eine enge Abstimmung mit den behandelnden Ärzten besonders wichtig. Welche Kontrollen sind medizinisch sinnvoll, und welche dienen nur noch der Beruhigung? Diese Frage beantworten die Ärzte, nicht ich. In der Therapie arbeiten wir mit dem, was über diese Kontrollen hinausgeht.

Was sich in der Therapie verändern kann

Ziel ist nicht, nie wieder an Krankheiten zu denken. Ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit für den eigenen Körper ist sinnvoll. Ziel ist, dass ein Körpersignal wieder ein Körpersignal sein darf, ohne dass ein ganzer Abend daran hängt. Woran Sie das merken? An den Zahlen aus dem Protokoll. Und daran, dass Sie irgendwann vergessen, sie aufzuschreiben.

Was Sie vorab beobachten können

Zählen Sie vor dem Erstgespräch eine Woche lang, wie oft Sie Ihren Körper kontrollieren, Symptome suchen oder jemanden um Rückversicherung bitten. Eine Strichliste auf dem Handy genügt. Viele sind von der Zahl überrascht. Sie ist für die Arbeit ein wertvoller Ausgangspunkt.

Kosten

Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 €. Eine Sitzung von 60 Minuten kostet 110 €, das Modulpaket mit sechs Sitzungen 550 €. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

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Erstgespräch per Video

Ca. 45 Minuten, 50 €. Danach sage ich Ihnen offen, ob eine Therapie per Video für Sie passt.

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Häufige Fragen

Bilde ich mir meine Beschwerden nur ein?

Nein. Die Körpersignale sind real, und die Angst ist es auch. In der Therapie geht es darum, wie die Bewertung dieser Signale die Angst verstärkt.

Darf ich während der Therapie weiter zum Arzt gehen?

Ja. Neue oder sich verändernde Beschwerden gehören immer ärztlich abgeklärt. Sinnvoll sind feste Kontrolltermine statt Besuchen bei jedem Symptom.

Warum beruhigt mich das Googeln nicht?

Suchergebnisse zeigen häufig seltene, schwere Erkrankungen weit oben. Das verstärkt die Befürchtung eher, als sie zu entkräften.

Ralf Baumhöfer, Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie

Über den Autor

Ralf Baumhöfer, Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Ausgebildet am IVT Hamburg in Integrativer Kognitiver Verhaltenstherapie nach Stavemann. Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten (VfP). Mehr über mich

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Die Fallbeispiele sind aus mehreren Verläufen zusammengesetzt und verändert.

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