Das Wichtigste in Kürze
- Psychosomatisch heißt nicht eingebildet: Die Beschwerden sind real, Körper und Psyche wirken zusammen.
- Ein Beschwerdeprotokoll macht Zusammenhänge mit Belastungen oft erst sichtbar.
- In der Therapie arbeiten wir an Bewertungen, Verhalten und dem Umgang mit Belastung.
- Eine gründliche ärztliche Abklärung gehört vor und neben die Therapie.
Was mit psychosomatisch gemeint ist
Das Wort wird oft missverstanden, als hieße es: Sie bilden sich das ein. Gemeint ist das Gegenteil. Die Beschwerden sind real, und Körper und Psyche wirken dabei zusammen. Anhaltender Stress, Angst, Trauer oder unterdrückter Ärger zeigen sich bei vielen Menschen zuerst im Körper, als Verspannung, Verdauungsprobleme, Herzklopfen, Schwindel, Druck auf der Brust oder Erschöpfung.
Fachlich spricht man von somatoformen oder funktionellen Beschwerden, in der neueren Klassifikation auch von körperlicher Belastungsstörung. Gemeinsam ist diesen Begriffen, dass die Beschwerden erheblich belasten und dass sich keine ausreichende organische Ursache findet. Viele Betroffene haben eine lange Reihe von Arztterminen hinter sich, bevor jemand diesen Zusammenhang anspricht.
Typische Beschwerden
- Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Durchfall oder Bauchschmerzen, häufig vor belastenden Terminen.
- Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen, oft verbunden mit dauerhafter Anspannung.
- Herzklopfen, Druck auf der Brust, Atemnot ohne kardiologischen Befund.
- Schwindel, ein Kloß im Hals, Kribbeln in Händen oder Füßen.
- Anhaltende Müdigkeit, die sich durch Schlaf nicht bessert.
Diese Liste ist kein Diagnoseschlüssel. Jede dieser Beschwerden kann auch eine körperliche Ursache haben und gehört deshalb zuerst zum Arzt.
Wie Stress in den Körper kommt
Unter Belastung schaltet der Körper in einen Alarmzustand. Muskeln spannen sich an, die Atmung wird flacher, die Verdauung wird gedrosselt, das Herz schlägt schneller. Für kurze Gefahren ist das sinnvoll. Hält der Alarm aber über Wochen an, weil die Belastung nicht nachlässt oder weil man innerlich nie zur Ruhe kommt, werden diese Veränderungen zu Beschwerden.
Dazu kommt die Aufmerksamkeit. Wer Schmerzen hat und keine Erklärung, beobachtet den Körper genauer. Das verstärkt die Wahrnehmung, und die Sorge über die Beschwerden wird zu einer weiteren Belastung.
Wie wir in der Videosprechstunde vorgehen
Ein genaues Bild gewinnen
Am Anfang steht eine sorgfältige Bestandsaufnahme: Wann treten die Beschwerden auf, wann nicht? Was geht ihnen voraus, was folgt? Welche Untersuchungen wurden gemacht, mit welchem Ergebnis? Viele Klienten führen dafür einige Wochen ein kurzes Beschwerdeprotokoll mit Uhrzeit, Situation, Stärke der Beschwerden und Stimmung.
Oft zeigen sich Muster, die vorher niemand gesehen hat. Zum Beispiel, dass der Magen sich meldet, wenn ein Konflikt ansteht, über den nicht gesprochen wird. Oder dass die Kopfschmerzen am Wochenende nachlassen und Montagmittag zurückkehren.
Bewertungen und Verhalten bearbeiten
Dann arbeiten wir mit dem SKR-Modell an den Bewertungen und Verhaltensweisen, die die Anspannung hoch halten. Etwa die Überzeugung, immer funktionieren zu müssen, oder die Gewohnheit, Ärger herunterzuschlucken. Wir schauen auch darauf, wie Sie mit den Beschwerden selbst umgehen: Schonen Sie sich so sehr, dass der Alltag immer kleiner wird? Oder ignorieren Sie die Signale, bis es nicht mehr geht?
Übungen für den Alltag
Ergänzend kommen Übungen zur Entspannung und zur Körperwahrnehmung hinzu, etwa die progressive Muskelentspannung oder einfache Atemübungen. Ich zeige sie in der Sitzung, Sie üben sie zu Hause. Das alles lässt sich per Video gut besprechen, weil Sie es ohnehin zu Hause und im Beruf umsetzen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Das folgende Beispiel ist aus mehreren Verläufen zusammengesetzt und verändert. Ein Mann Mitte fünfzig, Abteilungsleiter, hat seit einem Jahr wiederkehrende Bauchschmerzen. Magenspiegelung, Ultraschall und Blutwerte sind unauffällig. Er isst inzwischen kaum noch etwas Festes vor wichtigen Besprechungen. Das Protokoll zeigt nach drei Wochen ein klares Muster: Die Beschwerden treten fast immer an Tagen auf, an denen er Entscheidungen gegenüber seinem Vorgesetzten vertreten muss. In der Therapie geht es dann weniger um den Bauch als um die Frage, was ihm an diesen Gesprächen so zusetzt, und um die Regel „Ich darf mir keinen Fehler erlauben“.
Warum ein Zusammenhang mit der Psyche keine Abwertung ist
Manche Klienten reagieren zunächst gekränkt, wenn ein Arzt sagt, es sei „wohl psychisch“. Sie fühlen sich nicht ernst genommen. Das ist verständlich. Ein psychosomatischer Zusammenhang bedeutet aber nicht, dass die Beschwerden weniger echt oder weniger schlimm sind. Er bedeutet nur, dass ein zusätzlicher Ansatzpunkt für die Behandlung besteht.
Die Grenze
Ich stelle keine körperlichen Diagnosen und verschreibe keine Medikamente. Eine gründliche ärztliche Abklärung gehört vor die Therapie, und neue oder sich verändernde Beschwerden besprechen Sie weiterhin mit Ihrem Arzt. Die Psychotherapie ersetzt diese Abklärung nicht. Bei Warnzeichen wie plötzlichen starken Schmerzen, Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust oder Atemnot in Ruhe suchen Sie bitte sofort ärztliche Hilfe.
Schonung oder Belastung?
Eine der schwierigsten Fragen bei anhaltenden Beschwerden ist die, wie viel man sich zumuten soll. Manche Klienten schonen sich so weit, dass der Alltag immer enger wird: kein Sport mehr wegen der Rückenschmerzen, keine Restaurantbesuche mehr wegen des Magens, keine Reisen mehr wegen des Schwindels. Die Beschwerden bleiben trotzdem, und die Lebensqualität sinkt weiter. Andere ignorieren jedes Signal und arbeiten weiter, bis gar nichts mehr geht.
Ein Mittelweg lässt sich planen. In Absprache mit Ihrem Arzt vereinbaren wir kleine, regelmäßige Aktivitäten, die Sie unabhängig von der Tagesform umsetzen. Nicht so viel, wie an einem guten Tag möglich wäre, und nicht so wenig, wie an einem schlechten Tag naheliegt. Das Protokoll zeigt dann, wie Körper und Stimmung darauf reagieren.
Gefühle, die keinen Platz haben
Bei manchen Klienten zeigt sich im Lauf der Arbeit, dass bestimmte Gefühle im Alltag kaum vorkommen. Ärger zum Beispiel. Sie beschreiben sich als ausgeglichen, harmoniebedürftig, nie laut. Wenn wir genauer hinschauen, finden sich Situationen, in denen sie sich übergangen gefühlt haben, und das Gefühl dazu wurde nicht wahrgenommen oder sofort weggeschoben. Was dann bleibt, ist manchmal nur die Anspannung im Körper.
Das ist kein festes Muster und keine Erklärung für alle Beschwerden. Es ist eine Spur, der wir nachgehen, wenn sie sich zeigt.
Woran Sie Fortschritt erkennen
Fortschritt heißt nicht zwingend, dass die Beschwerden verschwinden. Für manche Klienten bedeutet er, dass sie wieder mehr tun, obwohl die Beschwerden noch da sind. Dass sie weniger Arzttermine brauchen. Oder dass sie einen Zusammenhang zwischen einem Gespräch und dem Magen bemerken, bevor der Abend gelaufen ist. Welche Ziele für Sie sinnvoll sind, legen wir zu Beginn gemeinsam fest.
Was Sie zum Erstgespräch mitbringen
Sinnvoll sind die wichtigsten Befunde der letzten Untersuchungen, eine Liste der Medikamente, die Sie nehmen, und eine kurze Notiz, wann die Beschwerden begonnen haben. Die Befunde müssen Sie mir nicht schicken. Es reicht, wenn Sie wissen, was dabei herauskam.
Kosten
Das Erstgespräch dauert etwa 45 Minuten und kostet 50 €. Eine Sitzung von 60 Minuten kostet 110 €, das Modulpaket mit sechs Sitzungen 550 €. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.
Erstgespräch per Video
Ca. 45 Minuten, 50 €. Danach sage ich Ihnen offen, ob eine Therapie per Video für Sie passt.
Häufige Fragen
Heißt psychosomatisch, dass ich mir die Beschwerden einbilde?
Nein. Die Beschwerden sind real. Psychosomatisch bedeutet, dass Körper und Psyche dabei zusammenwirken.
Muss ich vor der Therapie zum Arzt?
Ja. Körperliche Beschwerden sollten gründlich ärztlich abgeklärt sein, und neue Beschwerden besprechen Sie weiterhin mit Ihrem Arzt.
Was ist ein Beschwerdeprotokoll?
Eine einfache Tabelle, in der Sie einige Wochen lang Zeitpunkt, Situation, Stärke der Beschwerden und Stimmung notieren. Sie zeigt oft Zusammenhänge, die vorher nicht sichtbar waren.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Die Fallbeispiele sind aus mehreren Verläufen zusammengesetzt und verändert.
